Peru
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Der Salkantay Trek – Dschungel, Schnee und Eis

Europa ist ein Wanderparadies. Hier gibt es eine Vielzahl an Fernwanderwegen und Routen, sodass eigentlich jeder etwas für sich findet. Aber wie wäre es denn, mal etwas Neues auszuprobieren und eine Tour auf einem ganz anderen Kontinent zu machen? So oder ähnlich war mein Gedankengang, als ich gemeinsam mit einem Freund beschloss, im Frühjahr 2020 nach Peru aufzubrechen, um einen der Wanderwege gehen, der von vielen Wanderern als einer der eindrucksvollsten der Welt angesehen wird. Die Rede ist vom Salkantay Trek.

Der Fernwanderweg beginnt westlich der ehemaligen Inkahauptstadt Cusco, führt auf ca. 75 Kilometern zur historischen Inkastätte Machu Piccu und passiert dabei eine Vielzahl an verschiedenen Geländearten. So haben Wanderer die Möglichkeit, im Laufe des Treks Bergregenwälder und wunderschöne Täler zu durchqueren, sowie einen 4600 Meter hohen Gebirgspass zu erklimmen und schließlich eines der neuen sieben Weltwunder zu erkunden.

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Das klang schonmal gut, bevor wir jedoch zur Tat schreiten konnten, mussten wir uns noch für einen Wanderweg entscheiden und das war letztlich eine Abwägungssache: Anfangs stand der Gedanke im Raum, den Inkatrail zu wandern, der dasselbe Ziel hat und einen ähnlichen Verlauf nimmt. Die Möglichkeit erschien zuerst reizvoller, denn der Trail orientiert sich sehr an der noch bestehenden Inka-Infrastruktur in der Region und bietet z.B. die Möglichkeit, die Heilige Stadt direkt über das sogenannte „Sonnentor“ (Inti Punku) zu betreten. Als ich jedoch weiter recherchierte, fielen mir zahlreiche Nachteile auf, die ich hätte in Kauf nehmen müssen. So ist der Trail gerade wegen seiner historischen Einzigartigkeit sehr beliebt und entsprechend schnell überlaufen, da die Anzahl der Wandernden aus Denkmalschutzgründen auf 500 pro Tag begrenzt wurde. Wenn man also nicht gerade ein halbes Jahr vorher gebucht hat, kann es sein, dass alle Plätze schon vergeben sind. Zum anderen ist es seit 2001 untersagt, den Trail ohne Guide zu gehen.  Mit Guide und einem Traileintritt, um den man ebenfalls nicht herumkommt, kommen schnell mal 400-600 US-Dollar zusammen. Das erzeugte einen Konflikt mit unserer Wanderkasse, abgesehen davon möchte ich meine Wanderrouten gerne so ungestört wie möglich erkunden. Deswegen beschlossen wir, den Salkantay Trek zu gehen und dabei auf Guides und geführte Wandertouren zu verzichten. Über Sinn und Unsinn dieser Entscheidung später mehr.

Ein paar letzte Worte zur Natur dieses Berichts möchte ich hier noch verlieren, bevor ich zum eigentlichen Wanderweg übergehe: In einem Land wie Peru können sich durch Regenfälle oder anderen extreme Wetterereignisse die Wegverhältnisse drastisch verändern. (Siehe Tag 3) Deswegen versuche ich keine allgemein gültige Wanderanleitung zu geben, sondern möchte hier nur einen Bericht vorstellen, wie es mir während meiner Zeit auf dem Salkantay Trek ergangen ist und euch einige Tipps und Links an die Hand geben, die euch eure Reiseplanung hoffentlich erleichtern werden.

Tag 1: Cusco – Mollepata – Soraypampa

Bevor wir mit der Wanderung beginnen konnten, mussten wir zuerst die 102 Kilometer von Cusco zum Startpunkt Mollepata überwinden. Dafür stehen Wanderern  einige Optionen zur Auswahl. So kann die Reise entweder mit einer offiziellen Buslinie, einem Collectivo (Sammeltaxi) oder mit einem regulären Taxi angetreten werden. Hier klärt ihr am besten vor Ort die Preise nochmal ab. Für uns war das Collectivo die günstigste und vor allem schnellste Option, sodass wir nach knapp eineinhalb Stunden in Mollepata waren. Aber egal, wofür ihr euch entscheidet, am ersten Tag, werdet ihr früh aufstehen müssen, wenn ihr eure Wanderung morgens starten wollt. Unser Collectivo fuhr um fünf Uhr ab, sodass wir um sieben in Mollepata waren. Hier gab es trotz der frühen Stunde schon die Option für ein schnelles Frühstück, sodass wir uns zeitig auf den Weg machen konnten. Alles in allem sollte der erste Tag des Treks eher ereignislos bleiben. Die einzige Herausforderung war es, von Mollepata (liegt auf ca. 2800 Höhenmetern) 1000 Höhenmeter aufzusteigen, wo der Wanderweg schnell eben werden sollte. Die atemberaubenden Ausblicke der peruanischen Bergwelt sollten auch erst in der zweiten Hälfte des Tages auf uns zukommen, deswegen konnten wir uns in der ersten Hälfte ganz auf den Weg konzentrieren.

Aufgrund dieser minimalistischen Wegführung gibt für den ersten Tag relativ wenig zu berichten. Unsere Route begann in lichtem Bergregenwald, der jedoch immer dichter werden sollte und zwischendurch von zahlreichen Toren gesäumt war, die jedoch keine angrenzenden Wege, sondern nur Zugänge zu privaten Grundstücken waren. Der wichtigste Halt war der Rastplatz Chinchirkuma, der das Ende des Aufstiegs markierte und wo der Weg sich teilte. Unterhalb des Rastplatzes begann ein Pfad für Lasttiere, während ein paar Höhenmeter oberhalb des Rastplatzes der offizielle Wanderweg weitergeführt wurde.

Der Campingplatz Soraypampa liegt am Ende eines Tals am Fuß des Berges Tukarway
Nach einem eher uninteressanten Aufstieg durch dichtes Grünzeug kamen wir schließlich zu unserem ersten Etappenziel Soraypampa, das in einer Talsohle am Fuß des fast-6000ers Tukarway liegt

Der restliche Weg der Etappe  führte über einen ebenen Pfad ins Tal hinunter. Abgesehen von ein paar furchtlosen Kühen, die uns hier und da den Weg versperrten, konnten wir Soraypampa ohne Probleme erreichen.  Hierbei handelt es sich weniger um ein Dorf und mehr um eine touristische Anlage, die quasi nur aus ein paar Campingplätzen und Sky Lodges besteht. Übernachten gestaltete sich daher eher unproblematisch: An allen Rastplatzen gibt es die Gelegenheit, sich eine Schlafmöglichkeit zu mieten oder sein Zelt aufzustellen. Für Camping belaufen sich die Preise auf 10-15 Soles (ca. 3-4 €) pro Person /Zelt (Die Berechnungsart unterscheidet sich von Ort zu Ort). Vom Standard her sind die Campingplätze auf dem Salkantay Trek ähnlich zu dem, was man auch von Europa gewohnt ist. Dusche und Wasserzugang sind also kein Problem. Obwohl es möglich ist, sich komplett autark von mitgebrachten Nahrungsmitteln zu ernähren, sehen die Campingplatzbesitzer es gerne, wenn man sich etwas in ihren Shops kauft. Das ist dann zwar meistens etwas überteuert, aber was solls?

Tag 2: Soraypampa – Chaullay

Wo der erste Tag einen ruhigen Einstieg in das Wandern bot, war der zweite eine deutlich größere Herausforderung: Zwar war der Anstieg weniger intensiv, jedoch passierte man den höchsten Punkt, des Treks, den Pass „Abra Salkantay“, der eben mal auf 4630 Höhenmetern liegt.

Wieder begann die Wanderung gemächlich, mit einem ruhigen Anstieg direkt auf den Nevado Salkantay zu, wobei es allerdings streckenweise sehr kalt war. Es überrascht mich immer wieder, was für einen Temperaturunterschied Licht und Schatten in einer extremen Umgebung wie den Bergen ausmachen kann. Gerade wo ich dachte, nur in einer Windjacke bis zum Pass wandern zu können, musste ich nach zwei Metern im Schatten nochmal meine Ausrüstung anpassen.

Nach ca. zwei Stunden Wanderung erreichten wir ein Plateau, wo dankbarerweise wieder die Sonne schien und es sogar eine Einkaufsmöglichkeit gab. Die Peruaner nutzen die touristischen Möglichkeiten einer Wanderroute offensichtlich sehr gut aus. Daher gibt es an allen möglichen und unmöglichen Stellen des Salkantay Trek kleine Stände, wo man Merinowollartikel oder Snacks kaufen kann.

Ein peruanischer Kiosk in den Bergen
An zahlreichen Stellen des Wanderweges gibt es kleine Stände wie diesen hier. Die angebotenen Artikel sind zwar etwas teurer, dafür kann man sich hier aber auch gut über den weiteren Wegverlauf erkundigen.

Auf dem Plateau folgte eine der seltenen Weggabelungen des Trekverlaufs. Hier mussten wir uns links halten um zum Abra Salkantay zu kommen. Ab jetzt wurde der Aufstieg steiler, blieb jedoch technisch unbedenklich, da breite ausgetretene Wege zur Verfügung standen. Die einzige Herausforderung stellte das Unterangebot an Sauerstoff dar, das mit steigender Höhe extremer wurde.

An dieser Stelle möchte ich mal ein paar Worte zum Wandern in großer Höhe loswerden: Der Salkantay Trek war die erste Wanderung, die mich jenseits der 3000 Höhenmeter gebracht hat. Hier die Hinweise, die mir am meisten weitergeholfen haben, die Höhenkrankheit gut zu bewältigen.

Akklimatisation: Überhaupt das Stichwort, wenn um es Bergwandern in großer Höhe geht. Hier ist es äußerst sinnvoll, sich langsam an die Höhe zu gewöhnen. Ein guter erster Schritt ist ein zusätzlicher Tag in Cusco, da die Stadt an sich schon auf über 3000 Höhenmetern liegt. Allein mit den hügeligen Straßen beim Sightseeing klarzukommen, kann schon eine kleine Herausforderung und gleichzeitig eine Vorbereitung auf größeres sein.

Langsam aufsteigen: Das macht man meiner Erfahrung nach automatisch, wenn nicht wegen der Höhe, dann wegen der Gepäcklast. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, den Weg nach oben nicht als Challenge zu sehen, sondern ruhig und bedächtig aufzusteigen.

Wasser: Eigentlich selbstverständlich, denn beim Wandern soll man ja sowieso viel trinken. Dieser Grundsatz gilt hier jedoch doppelt, da ihr durch die sogenannte „Höhendiurese“ mehr Wasser ausscheidet, als sonst.

Cocablätter: Ich bin mir noch nicht sicher, ob es sich hierbei einfach nur um ein beliebtes Placebo handelt oder die Dinger wirklich was bringen. Auf jeden Fall schwören die Peruaner auf die kleinen grünen Blätter, die es in Cusco an jeder Straßenecke gibt. Die Teile werden in der Wangentasche aufbewahrt und sollen die Auswirkungen der Höhenkrankheit abdämpfen können.

Mir hat ein Everest-Bergsteiger mal erzählt, dass jede Person anders auf die Höhe reagiert, deswegen ist es nicht unwahrscheinlich, dass nicht alle Maßnahmen bei jedem Wanderer gleich gut wirken. Aber was macht man, wenn das alles nichts bringt? Wenn ihr oder eure Mitreisenden verstärkt Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit wahrnehmt, ist es definitiv Zeit, eine Pause zu machen oder ein wenig abzusteigen. Wenn die Symptome danach nicht besser werden, solltet ihr einen Abbruch der Wanderung in Erwägung ziehen, da die Höhenkrankheit auch lebensgefährlich sein kann.

Nach dem bisher höchsten Aufstieg meines Lebens kam ich schließlich auf dem Abra Salkantay an. Mein Mittel gegen Höhenkrankheit bestand übrigens daraus, auf dem Trail gefühlt 3 Liter zu trinken, was tatsächlich ganz gut funktioniert hat. Von guter Aussicht konnte oben allerdings keine Rede sein, da wir mitten in eine Nebelwand geraten waren.

Blick vom höchsten Punkt des Salkantay Trek auf nebeldurchzogene Berge
Der Aufstieg lief trotz der großen Höhe problemlos. Oben angekommen stellte sich die Sichtweite zwar als eher begrenzt heraus, die Berge waren aber dennoch überwältigend

Danach stand nur noch ein 600 Höhenmeter-Abstieg an, der durch die Wetterbedingungen ein wenig erschwert wurde. Obwohl wir auf der bisherigen Tour kaum Probleme mit Niederschlag hatten, waren die Tage vor unserem Tourbeginn von starken Regenfällen begleitet worden. Dies hatte zur Folge, dass Teile des offiziellen Salkantay Trek einfach fortgespült wurden und eine sumpfige Landschaft hinterlassen hatten, in der uns jeder Schritt unangenehm tief in den Boden einsinken ließ.

Nachdem wir erfolgreich durch den Sumpf gewatet waren, setzten wir unseren Abstieg fort, der uns durch den Ort Huayracpampa und ins Regenwaldgebiet führte. Hier stießen wir allerdings auf ein weiteres regeninduziertes Problem. Die Regenfälle hatten in den Tälern anscheinend schwerer gewütet, was dazu führte, dass auch hier Teile des Wanderwegs von gewaltigen Schlammlawinen verschüttet waren oder ganz einfach fehlten. Wo wir weiter oben am Berg allerdings einfach nur durch eine nervige Matschpassage waten mussten, standen wir hier mehr als einmal vor einem Abgrund, der direkt ins Tal abfiel. Dankbarerweise hatten die Peruaner schon Vorarbeiten geleistet und improvisierte Wege durch den Regenwald angelegt. Diese waren sehr steil vom Anstieg und nicht wirklich angenehm zu gehen, allerdings sind Wanderer bei sowas ja bekanntlich nicht wählerisch, wenn Alternativen nicht in Sicht sind.

Ein Trampelpfad im peruanischen Dschungel
Die improvisierten Wege führten uns kurvenreich durch den Dschungel. Wegen des porösen Untergrundes war dieser Abschnitt anstrengender als die bisherige Route.

Die Behelfswege führten um die schlimmsten Erosionen herum und schließlich auf den regulären Weg zurück. Von hier aus war es ein problemloser Abschnitt bis nach Chaullay, wo wir unsere Zelte aufschlugen.

Soweit zum ersten Teil meiner Reise nach Machu Piccu, den zweiten Teil könnt ihr hier lesen.

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