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Altbewährte Innovation – Die Meindl Borneo 2 MFS im Test

Ein Klassiker – So könnte man Wanderschuhe von Meindl auch beschreiben. Mit den Borneo 2 MFS probiert sich die bayerische Firma an einigen Innovationen.

Nachdem die vorgestellten Schuhe bei meiner letzten Gear Review nicht wirklich gut abgeschnitten haben, kann ich bei diesem Beitrag ein deutlich positiveres Fazit ziehen. Die Nostalgie mag hier zugegebenermaßen einen kleinen Teil dazu beigetragen haben, ganz abgesehen davon sind die Borneo 2 MFS auch objektiv betrachtet eine echte Empfehlung wert.

Zur Firma

Zu den Bayern der Lukas Meindl GmbH & Co.KG muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Die Firma gibt es in der einen oder anderen Form schon seit dem 17. Jahrhundert und sie hat sich während dieser Zeit durch zahlreiche Innovationen auf dem Schuhmarkt hervorgetan. Die Produkte von Meindl haben mich in meiner frühen Wanderkarriere lange begleitet und dabei einen durchweg guten Eindruck hinterlassen. Deswegen wollte ich nach meinem letzten Fehlkauf wieder zurück zu der Firma. Und tatsächlich hat sich in der Zwischenzeit einiges bei Meindl getan. Für die Borneo 2 MFS haben sich die Bayern nämlich einige Innovationen ausgedacht.

Nahaufnahme des Meindl Aufnähers auf den Borneo 2 MFS

Zum Schuh

Laut Hersteller sind die Stiefel für Wanderwege, Schotterpisten und ähnliches geeignet, was man ihnen auch ansieht. Optisch wirken sie ähnlich wie das Traditionsmodell Island, das die Bayern schon seit Gründung der Firma im Sortiment haben. Einziger Unterschied ist hier, dass die Borneo eine etwas niedrigere Schafthöhe aufweisen, was ja von einem Ultralight-Standpunkt nicht wirklich schlecht ist. Immerhin lassen sich so insgesamt 90 Gramm einsparen, die auf dem Wanderweg nicht getragen werden müssen.

Wie fast alle Meindl-Stiefel haben auch diese einen Schaft aus stabilem gewachstem Nubukleder das erfahrungsgemäß sogar einer jahrelangen Abnutzung an den Hochgebirgen dieser Welt standhält. Deswegen gibt’s am Schuh auch einen breiten, umlaufenden Gummirand, der zusätzlich vor Geröll und Felskanten schützen soll. Eine kleine Überraschung war hier der vordere Geröllschutz, der im Vergleich zu dem Vorgängermodell wesentlich kleiner ausgefallen ist. Anfangs hatte ich Sorge, dass sich dadurch zu viel Angriffsfläche bietet und der Geröllschutz leichter gelöst werden kann. Diese Befürchtung hat sich aber bis jetzt aber trotz ausgiebiger Wanderungen nicht erfüllt.

Nahaufnahme Meindl-Logo auf den  Borneo 2 MFS

Bei der Sohlenkonstruktion setzt Meindl auf ein bewährtes Konzept und bringt die vielerprobten Vibram Sohlen zum Einsatz, die mit tiefen Stollen versehen sind. Diese sollen für einen guten Grip auf dem Wanderweg sorgen und die Schritte des Wandernden gleichzeitig dämpfen. Um diesen Effekt zu verstärken ist im Schuh noch eine zusätzlich Auftrittsdämpfung verbaut.

So weit, so gewohnt. Die wirkliche Neuerung liegt allerdings im Schuh. Denn die Borneo 2 MFS bieten ein neues Innenleben. Wo meine alten Meindl da noch aus weichem Leder bestanden, hat sich die Traditionsfirma etwas neues ausgedacht und das Schuhwerk mit Memory Foam ausgekleidet (Daher auch das MFS im Namen=Memory Foam System).

Das bedeutet, dass sich der Schuh besser an die Form der Füße anpasst, diese beibehält und mit dieser Passform auch vor Verletzungen schützt. Gut, wird man jetzt sagen, sowas kann Leder doch schon lange! Stimmt bedingt auch. Der Schaum hat allerdings noch eine weitere Aufgabe. So verfügt er über eine Belüftungsfunktionen und sorgt zusammen mit einem speziellen Fußbett, dass sich die Schweißbildung während den heißen Tagen auf dem Wanderweg in Grenzen halten soll.

Zum Test

Doch wie funktioniert das Ganze jetzt in der Praxis? Tatsächlich haben die Bayern ihr bestehendes, gutes Konzept noch weiter verbessert obwohl hier und da ein überflüssiges Novum auftaucht. Durch das Memory Foam-System sind die Borneo 2 MFS noch bequemer als die Schuhe ihrer Vorgängergeneration und dabei exzellent gedämpft. Während meiner letzten Fernwanderung durch die Alpen hatte ich keinerlei Probleme mit Blasen und auf verschiedensten Wanderwegen einen guten Halt. Diese neue Technologie geht allerdings mit einem nicht zu unterschätzenden Nachteil einher: Der Einlaufzeit.

Tatsächlich habe ich bei keinen anderen Schuhe in meiner Wandererkarriere so lange gebraucht, um sie vernünftig einzulaufen. Vor meiner ersten Wanderung nach dem Schuhkauf war ich zwei Wochen mit ihnen unterwegs und hatte danach dennoch ein paar sehr große Blasen. Wer das in allen schmerzhaften Details nachlesen will, kann sich mit meinem Bericht über den Harzer Hexenstieg befassen.

Borneo 2 MFS auf einem Steinhaufen

Über die Gründe hierfür kann ich hier nur spekulieren, allerdings ist es auffällig, dass mir so etwas noch mit keinen anderen Stiefeln passiert ist. Denkbar, dass das Memory Foam-System hier nochmal ein bisschen angepasst werden muss. Aber wenn es erstmal eingelaufen ist, kann man sich über eine sehr gute Performance freuen. Dabei sollte sicherheitshalber allerdings ein wenig mehr Zeit eingeplant werden.

Das kann man leider nicht über die versprochene Belüftung der Schuhe berichten. Gegenüber anderer Modelle habe ich während meiner Wanderung kaum Verbesserung zur Schweißbildung innerhalb des Stiefels bemerkt. Fairerweise muss ich hier anmerken, dass ich diesen Faktor nie als besonders störend empfunden habe und es auch für unwahrscheinlich halte, die Problematik effektiv aus dem Weg zu räumen, sofern man nicht bereit ist Löcher in seine Schuhe zu bohren.

Zum Fazit

Meindl liefert erneut ab! In ihrer jahrhundertelangen Geschichte hat die Firma sich eine ausgeprägte Qualität erarbeitet, sodass ich fast versucht bin, ihre Produkte uneingeschränkt zu empfehlen. Auch die Borneo 2 MFS sind trotz unnötiger Details ein solider Tipp für alle, die auf der Suche nach einem robusten Wanderschuh für Tagesausflüge oder mehrwöchige Wanderungen im Hochgebirge sind. Durch die eingesetzte MFS-Technik sind die Schuhe noch bequemer als ihre Vorgänger, obwohl man sicherheitshalber mehr Einlaufzeit vor einer Wanderung einplanen sollte.

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