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Alte Rucksäcke reparieren: Ein Versuch

Kaputte Rucksäcke werden heutzutage immer öfter weggeworfen, dabei lassen sie sich oft super aufarbeiten. Um das zu testen, habe ich mich ein bisschen auf Ebay umgesehen und mir einen alten Lowa Mountain Attack als nächstes Nähprojekt besorgt. Ob es mit der Aufarbeitung geklappt hat, lest ihr hier.

Ich bin immer auf der Suche, nach günstiger, guter Ausrüstung. Dabei habe ich schon zahlreiche Möglichkeiten ausprobiert, von gebrauchten Wandersachen über Armeestiefel bis zu MYOG alles ausprobiert. Auf das offensichtlichste bin ich dabei allerdings noch nicht gekommen: Kaputte Rucksäcke kaufen und reparieren. Das bringt gleich drei deutliche Vorteile mit sich:

  • Defekte Rucksäcke werden auf Tauschbörsen spottbillig verkauft und teilweise sogar verschenkt. So spart man bares Geld
  • Bei der Aufarbeitung können die eigenen Skills mit Nadel und Faden verbessert werden
  • Darüber hinaus ist das ganze auch noch nachhaltig

Deswegen habe ich mich vor kurzem dazu entschieden, einen alten Rucksack aufzuarbeiten, als ich einen neuen brauchte. Entsprechendes Ausgangsmaterial für die Reparatur zu bekommen ist in unserer Wegwerfgesellschaft denkbar einfach. Auch hier bewahrheitet sich hier die Tatsache, dass auf Ebay wirklich jeder Schrott versteigert wird – auch viele defekte Rucksäcke. Interessanterweise wurde hier so viel angeboten, dass ich eine breite Auswahl hatte und einige Kriterien festlegen konnte: Zum einen sollte das Teil um die 40 Liter haben und relativ cool aussah. Zusätzlich war ich auf der Suche nach einem Modell, das zwar kaputt ist aber idealerweise keine defekten Reißverschlüsse hat. Zwar lassen die sich auch vergleichsweise einfach ersetzen, allerdings ist die tatsächliche Ummontierung meist etwas mühsam. Deswegen lag mein Fokus auf kaputten, aber nicht zu kaputten Rucksäcken. Mit dieser Prämisse im Kopf stieß ich auf Ebay Kleinanzeigen auf einen Lowa Mountain Attack. Außer einem etwa 14 cm langen Riss in der Seite hatte das Teil keine Schäden. Die perfekte Wahl.

Lowa Mountain Attack: Ein Rucksack für zahlreiche Einsätze

25 Euro später war ich stolzer Besitzer des Teils. Normalerweise würde ich mir wahrscheinlich keinen Kletterrucksack wie den Lowa Mountain Attack kaufen, da ich eher auf Fernwanderungen unterwegs bin. Aber zum einen sieht das Teil ganz gut aus und bringt auch ein paar coole Features mit. Die 45 Liter Volumen sind ein deutliches Upgrade zu meinem normalen 30-Liter-Daypack. Dazu kommen Details wie ein seitliches Eingrifffach und jede Menge Laschen und Schlaufen, um sperriges Gerät seitlich am Rucksack festzuzurren, ideal für Fotostative. Bonus sind auch die Handschuhfreundlichen Verschlussschnallen, mit denen sich der Rucksack selbst im Winter schnell und problemlos öffnen lässt. Potenzial war also da, aber bevor ich den Mountain Attack einsetzen konnte, musste ich erstmal ein bisschen dran arbeiten.

Schritt 1: Fasern verschweißen

Einziger Mangel des Rucksacks war ein ca. 14 cm langer Riss an der Seite des Hauptfachs. Erfreulicherweise war das Problem allerdings nicht die Naht, sondern das Rucksackmaterial, das aufgrund hoher Belastung gerissen ist und sehr ausgefranst war. Deshalb konnte ich das Material nicht einfach wieder annähen, sondern musste etwas einflicken, um den gerissenen Stoff zu ersetzen. Zuerst war allerdings das ausgefranste Material dran, damit sich das Material nicht noch weiter auflockerte. Hier reichte ein handelsübliches Feuerzeug aus, um die losen Fasern wieder zu einer soliden Materialkante zu verschweißen.

Schritt 2: Verriegeln

Nachdem der Stoff an sich verschweißt war, wollte ich als nächstes verhindern, dass sich der Riss weiter nach oben oder unten verbreitert. Hier habe ich das Material oben und unten einfach mit ein paar einfachen Stichen verriegelt, um weiteres Einreißen zu vermeiden. Hierbei wurde auch das größte Problem der Reparatur klar: Aufgrund der Geschlossenheit des Rucksacks konnte ich bei der Reparatur nicht mit meiner Nähmaschine arbeiten. Das sollte gerade beim nächsten Schritt etwas tricky werden.

Schritt 3: Anflicken

Durch das Zerfasern des Stoffes hatte ich ziemlich viel Material verloren. Deswegen musste ich die Stelle mit einem anderen Stoffstück ausflicken. Dabei kam ein Stück Cordura zum Einsatz, das ich noch von meinem Rucksack-Projekt übrig hatte. Einziges Problem war, wie oben beschrieben, die Nähmaschine. Da ich den Rucksack nicht umkrempeln konnte, war es fast unmöglich, die Maschine zu benutzen. Stattdessen war hier Handarbeit gefragt. Um dennoch eine maximale Stabilität der Naht zu erreichen, habe ich hier mit einer abgewandelten Variante des Sattlerstichs gearbeitet. Damit lässt sich eine Nähmaschinenstruktur mit Ober und Unterfaden replizieren. Alles in allem ging das Ganze ohne Probleme.

Schritt 4: Vernähen

Nachdem ich meinen Flicken auf der einen Seite festgenäht und umgestülpt hatte, ging es daran, ihn festzunähen. Hier habe ich ein bisschen mehr Material gelassen und das ganze an der bestehenden Naht, direkt am Einfassband festgenäht.

Die Naht an sich sah ok aus, allerdings wird die Wasserdichtigkeit des Rucksacks wahrscheinlich nicht mehr so gut wie früher sein. Cordura an sich hält einiges Wasser ab, aber da ich beim Garn nicht auf Wasserdichtigkeit geachtet habe, könnte das Ganze bei Regen schnell schwierig werden. So wichtig ist das allerdings nicht, da ich bei starkem Regen sowieso ein Regencover nutze und wasserdichte Packsäcke standardmäßig zu meinem Loadout gehören. Daher ist das ein Nachteil, den ich durchaus verschmerzen kann. Ob die Naht hält ist wiederum eine andere Frage, die sich nur durch Härtetests am Berg beantworten lässt.

Was Kenntnisse in der Textilverarbeitung betrifft, gehe ich bestenfalls als begeisterter Laie durch und habe während der Reparatur viel improvisiert. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass man sich nur durchs Ausprobieren und neue Herausforderungen verbessern kann. Meine neue Rucksackreparatur wird wahrscheinlich keine Handarbeitspreise gewinnen, allerdings hatte ich bei dem Projekt ziemlich viel Spaß und freue mich schon darauf, meinen alten neuen Rucksack auszuprobieren. Deswegen kann ich euch alle nur ermutigen, die Ausrüstungsreparatur auch mal auszuprobieren. Dabei lernt ihr immer etwas, und über günstige, gute Ausrüstung kann sich auch jeder freuen.

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