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Armeestiefel – Wanderausrüstung fürs kleine Budget?

Auf den ersten Blick wirken Armeestiefel wie eine günstige Möglichkeit, gute Wanderausrüstung für einen geringen Preis zu erwerben. Doch im Gegensatz zu zivilen Modellen müssen Wanderer dabei allerdings einige Einbußen in puncto Gewicht und Bequemlichkeit in Kauf nehmen. Ob die Stiefel dennoch fürs Wandern geeignet sind, lest ihr hier.

Lowa, Meindl, Haix – all diese Hersteller produzieren nicht nur für die Wanderer dieser Welt, sondern auch für die Bundeswehr. Dementsprechend gibt es viele wandertaugliche Modelle, die Second-Hand erworben werden können und einige Vorteile für Wandereinsteiger mit schmalem Budget bieten. Da sie für die breite Masse konzipiert sind, passen sie so gut wie jedem und sind entsprechend günstig. Allerdings kommen mit diesen Vorteilen auch einige Nachteile daher. So sind die Stiefel eher nicht für Komfort gedacht, sondern dafür, die Füße beim befördern von schweren Lasten zu stützen. Dazu sind sie auch meist schwerer als die zivilen Modelle, was gerade auf längeren Touren schnell ermüdend sein kann.

Vorteile von Armeestiefeln beim Wandern

Dennoch sind Armeestiefel auch fürs Bergwandern geeignet, wie ich vor kurzem getestet habe. Denn obwohl ich nie Zeit beim Bund verbracht habe, sind Armeestiefel schon lange Teil meines Repertoires. Immerhin gehören die brachialen Treter zur Standardausstattung von Metalheads wie mir. Welches Modell ich mir dabei für meine Festivals und Konzerte gekauft habe, ist mittlerweile nur schwer rekonstruierbar, da ich mir die Dinger vor Jahren für 30 Euro auf Ebay geschossen habe. So wichtig ist es aber auch nicht, da die Armeen der Welt sich auf ein fast universales Modell geeinigt zu haben scheinen. Trotz des erheblichen Alters (die Stiefel waren wahrscheinlich in den 90ern zuletzt im Einsatz) sehen sie genau aus, wie aktuelle Modelle: Hoher Schaft, feste Schnürung und Obermaterial komplett (!) aus genarbten Rindsleder. Gerade letzteres Detail macht die Stiefel so langlebig. Sogar das Innenfutter ist aus Leder, sodass die Stiefel ewig halten, wenn sie einmal im Jahr ordentlich imprägniert werden.

Ein paar Armeestiefel auf einer Wiese. Schnee und verschneite Bäume im Hintergrund.

Armeestiefeln im Praxis-Test

Die Imprägnierung hat sich auf verregneten Festivals auch schon bewährt, allerdings brauchte ich die Schuhe vor kurzem, als meine bewährten Meindl in der Reparatur waren. Dabei waren die Teile aufgrund meiner schwermetallischen Aktivitäten eigentlich schon gut eingelaufen, allerdings unterscheidet sich die Belastung bei einer Wanderung mit vielen Höhenmetern ja von stundenlangem Herumlaufen auf ebenen Boden. Deswegen hatte ich nach meiner ersten Wanderung mit 1200 Höhenmetern die eine oder andere wunde Stelle zu verzeichnen. Blasen habe ich mir zwar keine gelaufen, allerdings wurde schnell klar, dass die Stiefel ein bisschen mehr Eingewöhnung brauchen, als zivile Modelle. Meine Meindl Borneo sind hier wesentlich anschmiegsamer, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die Armeestiefel nach vielen Höhentouren ebenfalls an Geschmeidigkeit gewinnen.

Um die Wasserdichtigkeit zu testen, war ich mit den Armeestiefeln im vergangenen Winter oft unterwegs und bin damit stundenlang in Schneefeldern unterwegs gewesen. Natürlich kommt bei einer mehrstündigen Wanderung immer mal wieder ein wenig Wasser in die Stiefel, aber im großen und ganzen bin ich von der Wasserdichtigkeit begeistert. Auch weil ich in der Vergangenheit schon Modelle getestet habe, die mehr als das dreifache der Armeestiefel gekostet haben und in dem Bereich kläglich versagt haben. Als Extremtest bin ich mit den Armeestiefeln eine halbe Stunde in einem Bergfluss herumgewatet, um Fotos zu machen – größtenteils mit trockenen Füßen. Die

Wandern mit Armeestiefeln: Materialschäden und weitere Nachteile

Da es sich dabei um Second-Hand-Stiefel handelt, kann es immer mal wieder zu kleineren Schäden kommen. So hat sich bei mir das Innenfutter im Fersenbereich des einen Stiefels mittlerweile durchgerieben. Das ist noch verschmerzbar, deutlich schwieriger war es dagegen, als sich bei einem Stiefel mitten in der Wanderung die Sohle löste. Deswegen solltet ihr mit euren BW-Stiefeln auf jeden Fall einige Probewanderungen machen und danach den Halt der Sohle genau prüfen, bevor ihr damit eine anspruchsvollere Tour antretet. In meinem Fall hatte ich allerdings Glück im Unglück: Ich habe es gerade rechtzeitig zum Schuster meines Vertrauens geschafft, der mir die Stiefel für 50 Euro mit den deutlich besseren Vibram-Sohlen besohlt hat. Dadurch bieten sie mir auf Felsen mehr Grip und sind sie jetzt noch besser fürs Bergwandern ausgestattet.

Das Armeestiefel-Fazit: Fürs Wandern geeignet?

Würde ich die Armeestiefel also insgesamt empfehlen? Kommt auf die geplante Wanderung an. Auf der einen Seite sind Armeestiefel für einen Tagestrip definitiv geeignet, für eine 30-tägige Fernwanderung würde ich dagegen zu leichteren Schuhen mit besserer Passform greifen. Allerdings bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis fast schon unschlagbar. Falls ich euch mit meiner Budgetlösung überzeugt habe, müsst ihr euch allerdings nicht wie ich auf No-Name-Armeestiefel verlassen. Denn auch die bereits genannten Premiummarken Lowa, Meindl oder Haix produzieren z.B. für die Bundeswehr.

Auf den einschlägigen Army-Surplus-Seiten könnt ihr gebrauchte Modelle der Hersteller in gutem bis sehr gutem Zustand für einen mittleren zweistelligen Betrag erstehen. Hierbei sei auch die Website des finnischen Ausrüsters Varusteleka empfohlen. Neben Stiefeln aus der Bundeswehr ist dort eine Vielzahl verschiedener Modelle günstig zu erwerben. Meiner Einschätzung nach gibt es abseits von Ebay keine günstigere Möglichkeit, guten Ersatz für Wanderschuhe zu erstehen. Also wenn auch ihr eure Ausrüstung für einen günstigen Betrag erweitern wollt, könnt ihr hier zuschlagen.

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