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Outdoor by ISPO 2024: Ein Tag auf der Messe

Mehr als 600 Hersteller, 5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 8.000 Fachbesucher: Auf der Outdoor by ISPO hat sich vor Kurzem das Who’s Who der Outdoor-Branche versammelt. Neben vielen interessanten Gesprächen und Präsentationen von bewährten Produkten gab es dabei auch einige Einblicke auf die Neuheiten für das kommende Jahr – ein Rundgang durch die Münchner Messehallen.

Erster Halt in den Messehallen ist der Stand von Gerber. Das Unternehmen aus Oregon ist schon lange mit der Outdoor-Szene verwurzelt, und das nicht erst seit ihrem lizensierten Bear Grylls-Messer. Doch auch Multitools sind schon seit langem Teil des Firmenportfolios. Multitools, wie das Gerber Armbar, mit dem die Amerikaner preislich wie technisch eine Position zwischen dem Leatherman und dem klassischen Victorinox einnehmen wollen. Deswegen ist das Armbar kompakt und auf das Nötigste reduziert. So bietet z.B. die Drive-Version des Tools eine Klinge mit Arretierung, Schere, Ahle, Flaschenöffner sowie einen Bithalter mit Kreuz- und Schlitzbit. Allein von der Werkzeugauswahl wirkt das Konzept sehr durchdacht, immerhin kommen die genannten Dinge bei Victorinox wie Leatherman meiner Erfahrung nach besonders häufig zum Einsatz. Besonders der Bithalter könnte bei Fahrradtouren von Vorteil sein, immerhin sind nicht alle Funktionen der herkömmlichen Fahrrad-Allzweckwerkzeuge so einfach einzusetzen. Trotz der Kompaktheit sind die Werkzeuge auch zugänglicher als beim herkömmlichen Victorinox, d.h. es ist deutlich weniger Fingernagel-Einsatz nötig, um die einzelnen Werkzeuge herauszubringen. Dabei hilft auch die Aussparung der Platine, sodass ein bisschen mehr Platz da ist. Einziger Nachteil ist die Klinge mit Arretierung, sodass das Multitool in Deutschland unter das Führungsgebot fällt.

Die Drive- und Scout-Version des Gerber Armbar.
Die Drive- und Scout-Version des Gerber Armbar.

Traditioneller geht es bei Helle zu. Das norwegische Unternehmen, das schon seit 1932 Messer herstellt, ist mit einer breiten Auswahl in die Münchner Messehallen gekommen. Zwar geht es der Firma nicht zwingend darum, jedes Jahr ein neues Produkt auf den Markt zu werfen, sondern stattdessen die Qualität beim bestehenden Portfolio aufrechtzuerhalten. Doch für 2024 gibt es dann doch etwas zu sehen: das Messer Audun, das in einer Limited Edition zur Verfügung steht. Wie fast alle Helle-Produkte besteht es aus dreilagigem Stahl, während der Griff aus Rentiergeweih und Karelischer Maserbirke gefertigt ist. Endprodukt ist ein Messer, das fast schon zu schön ist, um damit in die Natur zu ziehen. Benannt ist das Messer übrigens nach dem Vorarbeiter der Helle-Fabrik, der das Werkzeug auch entworfen hat – eine Belohnung für mehr als 50 Jahre Beschäftigung in der Firma. Mitarbeiter-Management läuft also bei Helle. Und auch bei den Kunden scheint das Messer anzukommen. Stand jetzt ist das Audun restlos ausverkauft, kann aber nachbestellt werden.

Das Audun-Messer von Helle.
Fast zu schön für den Outdoor-Einsatz: das Audun-Messer von Helle.

Neuigkeiten gibt es auch bei Esbit. So sind die bewährten Kochsets um Töpfe aus 18/8 Edelstahl erweitert, anstelle des bekannten hartanodisiertem Aluminium. Wie sich das neue Material in der Praxis verhält, müsste mal bei einem Test genauer erörtert werden. Nur eins ist klar: Das unangenehme Kratzgeräusch des Aluminiums beim Verschieben des Kochtopfs dürfte damit hoffentlich der Vergangenheit angehören.

Esbit-Kochsets.
Jetzt auch aus 18/8 Edelstahl: die Töpfe der Esbit-Kochsets.

Stiefel, Stiefel, Stiefel

„Wir sind nicht das Unternehmen, das irgendwelchen Trends hinterherrennt“, berichtet Meindl-Marketingmanagerin Pia Obermaier. So haben die Bayern zwar eine neue Kollektion an Stiefeln für die kommende Saison in den Startlöchern, doch finden sich hier auch alte Bekannte. Nach dem geeignetsten Modell für Fernwanderungen durch Berg und Tal gefragt, muss die Expertin nicht lange überlegen: Island. Das Traditionsmodell der bayerischen Manufaktur ist allerdings nicht unverändert geblieben. Um die Füße zu entlasten, wurde die gepolsterte Manschette in mehrere Sektionen unterteilt. So wird verhindert, dass sich der Stiefelschaft beim Bergabgehen in die Beine gräbt. Bei der Polsterung bleiben die Bayern dem MFS-Schaum treu, der schon seit einigen Jahren bei den Produkten zum Einsatz kommt. Neben einer leichteren Sole wurden die Stiefel ebenfalls um einen Klemmhaken bei den Schnürsenkeln erweitert. Dieser erlaubt es, die untere Hälfte der Schnürsenkel unter Spannung zu halten, selbst wenn die obere gelockert wird. Das sogenannte Zwei-Zonen-Schnürsystem soll für besseren Tragekomfort sorgen.

Der Meindl Island Stiefel.
Der Island-Stiefel in seiner neuesten Version.

Dagegen haben sich Garmont für die kommende Saison eine Möglichkeit vorgenommen, um Einsteiger an den Bergsport heranzuführen. Bei dem Einsteiger-Stiefel Garmont Cima steht der Komfort im Vordergrund. Deswegen wurden gerade die Schuhlasche und der obere Fußbereich besonders gepolstert. Laut Herstellerangaben ist eine eigens entwickelte Membran eingebaut, sodass der komplette Schuh wasserdicht ist. Bei der Sohle setzt das Unternehmen auf eine sogenannte „Diamond Traction Sole“, die mit diamantförmigen Profilen ausgestattet ist. Diese sollen am Berg für den nötigen Grip sorgen. Interessant: für Kletterpassagen ist ebenfalls eine flache Kletterzehe in die Sohle eingebaut.

Der Garmont Cima Stiefel.
Der Garmont Cima soll eine günstige Option für Bergsport-Anfänger sein.

Die Rucksäcke der Outdoor by ISPO

Für Weitwanderer gibt es am Stand von Rab viel zu sehen. Ganz neu ist der Rucksack Muon zwar nicht (tatsächlich wurde er in der letzten Ausgabe der Messe mit einem ISPO Award ausgezeichnet), aber die Markteinführung ist nur wenige Monate her. Doch zu den Details: Mit dem Muon stellt der britische Hersteller einen ultraleichten Rucksack für Mehrtageswanderungen bereit, zumindest so ultraleicht wie Rucksäcke mit Frame und Tragesystem werden. So bringt er lediglich 0,895 kg auf die Waage. Zusätzlich dazu soll es nach Herstellerangaben möglich sein, Teile des Rucksacks abzunehmen, um so weiteres Gewicht zu sparen. Bei den Materialien setzen die Briten auf ultraleichtes Spectra Ripstop. Ebenfalls erwähnenswert: Der Rucksack besteht laut Hersteller aus 30 Prozent recycelten Materialien. Vom Konzept wirkt der Muon wie der perfekte Rucksack für eine Fernwanderung, leider ist es vor Ort nicht möglich, ihn mal ein bisschen mit entsprechender Ladung auszutesten.

Der Rucksack Rab Muon.
Für Fernwanderungen: der Rab Muon.

Helikon-Tex sind ebenfalls mit ihrem bewährten Arsenal an Wanderrucksäcken vor Ort. Einer der wohl coolsten ist der bekannte Bergen Backpack. Um der stetig wachsenden Bushcraft-Szene entgegenzukommen, wurde dieser in modischem Erdbraun herausgebracht, wodurch ein gedeckter Look entsteht. Vom Design und dem Layout der Taschen wirkt der Bergen wie ein Armeerucksack aus dem vergangenen Jahrhundert, der mit modernsten Materialien neu aufgesetzt wurde. Er besteht komplett aus robustem Cordura 500D und bietet zahlreiche Funktionen. Die vorderste der drei vorgelagerten Taschen verfügt über einen Hohlraum, um Ausrüstungsgegenstände wie Äxte unterzubringen. Dazu kann der Rucksack wie viele Helikon-Tex-Produkte via MOLLE-System um zusätzliche Taschen erweitert werden. Interessant: Die MOLLE-Applikationen können mit einer zusätzlichen Lasche verdeckt werden, sodass die Optik des Rucksacks nicht gestört wird.

Beim nächsten Rucksack kommt es aufs Tragesystem an. Denn mit dem 3D Freeflow 30+ wollen die Rucksack-Experten von Berghaus gerade das revolutionieren. Hierbei kommt der Air Frame zum Einsatz, ein Rahmen mit straff gespanntem Netzmaterial. Dieser sorgt dafür, dass die Luft hinter dem Rücken zirkulieren kann. Im Gegensatz zu bisherigen Netz-Tragesystemen wird der Rucksack jedoch gleichzeitig durch den engen Rahmen in Form gehalten. Beim Tragekomfort spielen auch die Beckenpolster eine große Rolle. Diese stammen aus dem 3D-Drucker und sollen noch schonender als herkömmliche Polster sein. Sonst bietet der Rucksack noch 30 + 5 Liter Packmaß, genug für Tagestrips oder minimalistische Mehrtageswanderungen.

Outdoor by ISPO 2024: Ultralight-Camping

Ultralight-Wanderausrüstung haben sich die Amerikaner von Big Agnes auf die Fahne geschrieben. Kein Wunder, denn der Continental Divide Trail führt direkt am Firmensitz in Steamboat Springs, Colorado vorbei und bei Thru-Hikern kann die Ausrüstung nie leicht genug sein. Deswegen sind die Zelte des Unternehmens auf minimales Gewicht optimiert. Das geht schon beim Gestänge los. So kommen Einmann-Produkte wie das Fly Creek UL2-Zelt mit nur einer Y-Stange aus, die für den Aufbau benötigt wird. An den Ecken sind sogenannte Structure Flaps verarbeitet, die in der Konstruktion für zusätzliche Stabilität sorgen. Beim Material setzt Big Agnes auf UV-resistentes Nylon Ripstop, was für ein Maximalgewicht des Zeltes von 1,02 kg sorgt.

Das Fly Creek UL2-Zelt.
Fliegengewicht: das Fly Creek UL2-Zelt.

Auch Sea to Summit hat für 2025 einiges vor: Leichter, besser packbar, geringere Umweltbelastung, so die Slogans, mit denen das Unternehmen für seine im nächsten Jahr erscheinende Revive-Reihe wirbt. Diese umfasst neben zwei neuen Isomatten auch drei Kunstfaserschlafsäcke. Das Besondere: die Neuheiten sind für mehr Bewegungsfreiheit optimiert und mit recycelten Kunstfasern gefüllt. Während der geräumige Boab-Schlafsack eine Option für die Camper und Vanlifer darstellt, werden Backpacker und Fernwanderer mit dem Hamelin glücklich. Um den Unterschieden zwischen den Geschlechtern gerecht zu werden, gibt es den Schlafsack auch in einer Frauenversion, deren Form zwischen den Hüften und Knien mehr Platz aufweist. Alle Schlafsäcke werden in einer Sommer- und Winterversion erhältlich sein.

Die Schlafsäcke Boab, Hamelin und Hamelin Womens von Sea to Summit.
Die Sea to Summit-Schlafsäcke der kommenden Saison.

Auch für die Kajakfahrer bietet die Outdoor by ISPO einiges an Anschauungsmaterial. Das wohl eindrucksvollste findet sich in einer eher ruhigeren Ecke der Messehallen. Oru Kayak, so der Name des Boots, wirkt auf den ersten Blick wie aus einem Computerspiel entsprungen. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Marketinggag, sondern laut Angaben der Hersteller um das erste Origami-Kajak der Welt. Optisch macht das Boot auf jeden Fall was her, denn das weiße doppelwandige Polypropylen, aus dem es gefertigt ist, wird der angestrebten Papier-Optik sehr gerecht. Wie Origami auch, kann das Boot innerhalb kürzester Zeit in ein praktisches Reiseformat gefaltet werden. Dabei liegt die Aufbauzeit bei gerade einmal eineinhalb Minuten. Sorgen wegen durch das Falten entstehenden Materialbruch machen sich die Hersteller nicht. „Wir haben das Material mit einer Maschine getestet. Nach 20.000 Faltungs- und Entfaltungsvorgängen haben wir es gelassen“, erinnert sich Produktmanager Nicola Conte.

Oru Kayak
Oru Kayak: laut Hersteller das erste Origami-Kajak der Welt.

Alles in allem eine spannende Messe, die ich nächstes Jahr wieder besuchen werde. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja einige Möglichkeiten, einige der vorgestellten Artikel in Zukunft zu testen.

Zusätzliche Impressionen von der Outdoor by ISPO

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